Solidarität mit Kuba
Michaela Lang, die Büroleiterin der KPÖSteiermark hat al s Teil des internationalen „Nuestra America Convoy“ Hilfsgüter nach Kuba gebracht. Bei uns erzählt sie von ihren Erlebnissen vor Ort und warum die internationale Solidarität so wichtig für Kuba ist.
Wie hast du persönlich die Situation in Kuba wahrgenommen?
Michaela: Die US-Blockade gegen Kuba wird enger geschraubt, aber die Kubaner:innen finden trotzdem einen Weg, ihr Leben zu bestreiten und einen neuen Alltag aufzubauen. Vor allem öffentliche Infrastruktur wie Schulbildung und Gesundheit werden so gut es geht weiter aufrechterhalten, was wirklich beeindruckend ist. Aber die Armut im Land ist augenscheinlich größer geworden. Probleme wie Obdachlosigkeit sind im öffentlichen Raum aber – im Gegensatz zu Europa – nicht zu sehen gewesen.
Welche Bereiche sind besonders von den Auswirkungen der US-Blockade betroffen?
Michaela: Es gibt kaum einen Bereich, der nicht betroffen ist. Am schwersten ist es dort, wo der Energiebedarf hoch ist: in der Industrie, im Verkehr, im Transportwesen, in der Forschung. Export und Import wird immer schwieriger, weil die USA Frachtfirmen, die Kuba ansteuern, sanktionieren. Im Gesundheitsbereich wird versucht, trotz schwierigster Bedingungen, die Versorgung aufrecht zu erhalten.
Was hat dich besonders berührt?
Michaela: Die Situation vor Ort und die Brutalität der realen Konsequenzen der Blockade hat mich natürlich schockiert. Man merkt auch, dass es immer schwieriger wird, die Bevölkerung adäquat zu versorgen und die soziale Ungleichheit nimmt daher zu. Besonders beeindruckend ist dabei aber die Widerständigkeit der kubanischen Bevölkerung. Ebenso die politische Kultur Kubas: Menschen leben und arbeiten nicht isoliert aneinander vorbei. Das führt zu einer gelebten Solidarität unter der Bevölkerung. Und genauso wurde auch unsere Teilnahme am Konvoi wahrgenommen, als Akt der internationalen Solidarität, das hat mich auch sehr bewegt und bestärkt, weiterhin politisch aktiv zu sein.
Was können wir in Österreich tun, um Kuba bestmöglich zu unterstützen?
Michaela: Es ist wichtig auf mehreren Ebenen aktiv zu sein: Spendensammlungen, um Medikamente und anderes Hilfsmaterial auf die Insel zu bringen oder um die Solarinfrastruktur auszubauen. Diese ist besonders wichtig, um Kuba unabhängiger von Erdöllieferungen zu machen. Hinzu kommt die Aufklärungsarbeit, um das Bewusstsein und die Solidarität in der Bevölkerung zu stärken. Denn wie mit Kuba umgegangen wird, betrifft uns ja auch hier vor Ort: Es geht bei der Aggression gegen Kuba aber nicht nur um die Zukunft der Kubaner:innen selbst – sie ist der offene Angriff auf das Selbstbestimmungsrecht der Völker. Der Kampf gegen die Auswüchse des US Imperialismus in Kuba ist kein isolierter Kampf: Die Aggression gegen Venezuela, der Genozid an den Palästinenser:innen und die Solidarität mit diesen Kämpfen sind Teil des Bewusstseins der politischen Kultur Kubas und gehen alle progressiv eingestellten Kräfte etwas an.
Darüber hinaus müssen wir den Druck auf unsere eigene Regierung erhöhen und fordern, auf internationaler Ebene gegen die Blockadepolitik aktiv zu werden und die Sanktionierung von europäischen Firmen, die mit Kuba handeln, nicht hinzunehmen.
Deckt sich das Bild, das österreichische Medien von der Situation in Kuba zeichnen mit deinen Eindrücken, die du vor Ort gewonnen hast?
Michaela: Unsere Medien vermitteln seit Monaten ein dystopisches Bild der Lage auf Kuba. Es wird über Müllberge, BlackOuts und Unruhen berichtet. Die USBlockade kommt in der Berichterstattung zwar mittlerweile verstärkt vor, trotzdem hat man den Eindruck, es würde über eine Naturkatastrophe berichtet. Man merkt zum Teil auch eine Verschiebung der Ursache. Es wird so getan, als wäre der Sozialismus schuld an der Situation. Kuba wird in den Medien oft wie ein failed state dargestellt und als würde die Mehrheit der Bevölkerung darauf warten, von den USA „befreit“ zu werden. Dem ist überhaupt nicht so. Das öffentliche Leben in Kuba ist weitgehend aufrecht, die Straßen sind sicher, und die Menschen wissen sehr genau, dass die USA keine Befreier sind.
