Gesundheitsvorsorge ist Bestandteil der umfassenden Landesverteidigung
Die Gesundheit wird für gewöhnlich als das höchste Gut bezeichnet. Diese Aussage ignoriert aber die Mehrdimensionalität des Menschlichen völlig. DENN: Gesundheit ist ebenso mehrdimensional und keine definierte Ware.
Rudi Gabriel, Allgemeinmediziner und Gesundheitssprecher des ZVPÖ
Aus demselben Grund kann man auch mit „der Gesundheit“ keinen Handel treiben! Handel getrieben wird mit der Arbeitskraft der Gesundheitsarbeiter:innen, mit Ausrüstungsgegenständen für die Gesundheitsversorgung und mit Heilmitteln und deren Erzeugung. Im Burgenland wird auch Handel getrieben mit uraltem Gestein, das von vulkanischer Aktivität stammt. Damit lässt sich „gutes Geld“ verdienen und es versorgt die Bevölkerung mit wohnortnahen, aber gefährlichen Arbeitsplätzen.
Blöderweise kommt in diesem vulkanischen Gestein ein Mineral vor, das Asbest genannt wird. Asbestfasern sind extrem klein, leicht, schweben in der Luft und lagern sich wieder ab. Jederzeit aufgewirbelt kann es eingeatmet werden. Nun ist aus vier Steinbrüchen in mehreren Bundesländern und bis nach Ungarn asbesthaltiges Gestein verkauft und auf Nebenfahrbahnen, bei Schienensträngen, bei Kinderspielplätzen und öffentlichen Gebäuden frei liegend aufgeschüttet worden.
Asbest ist seit 1964 als krebserregendes Mineral bekannt. Asbestbelastete Arbeiter:innen, die damit regelmäßig Umgang haben, sind dem höchsten Risiko ausgesetzt, schwer zu erkranken. Seit den frühen 90er Jahren wurden strenge Verbote für die Verwendung von Asbest als Baustoff, für Isolationzwecke, die Auto- und Kosmetikindustrie, etc. erlassen. Es entstehen „gutartige Asbestosen“, die schwere Lungenfunktionseinschränkungen verursachen, aber auch – oft nach Jahrzehnten – Krebserkrankungen mit einer immer noch enorm hohen Sterblichkeitsrate.
Am Beispiel der lange Zeit ignorierten Aktivitäten in den Bergwerken und in Bezug auf die Ausbringung und die laufenden Untersuchungen von asbesthaltigem Gesteinsmaterial im Burgenland, in Niederösterreich und in der Steiermark soll hier zur Primärprävention einiges gesagt werden:
Primärprävention
Aus den Studien zur modernen Stressund Resilienzforschung geht eindeutig hervor, welche Bedeutung darin liegt, ob Menschen transparente und umfassende Informationen zu wichtigen Ereignissen in Ihrem Leben erhalten.
Es wird aktuell zwar fallweise medial berichtet, allerdings unzusammenhängend, um nicht zu sagen, chaotisch. Es wird durch mangelnde Transparenz und schlechtes journalistisches Handeln Alarmismus in Kauf genommen. Dazu kommt noch gehässige Kampfrhetorik gewürzt mit gegenseitigen Klagsandrohungen. Wen wunderts also, wenn immer öfter die Frage gestellt wird: „Was machen die Verantwortlichen eigentlich, wenn wir nach Monaten immer noch nicht detailliert wissen, wo das „giftige Zeug“ überall herumliegt?“
Zusammenfassend kann aus salutogenetischer1 Sicht gesagt werden, dass hier die gesundheitsfördernden Grundbedingungen für subjektiv erlebbares Wohlergehen und positive Selbstwirksamkeit durch die chaotisch anmutende und bruchstückhafte mediale Berichterstattung eindeutig konterkariert werden.
Sekundarprävention
Die Maßnahmen der Sekundärprävention fokussieren auf Menschen, die ein erhöhtes Risiko durch schädigende Noxen2 haben. Bei Asbest gilt das auch für die Familienmitglieder. Die Lebenserwartung und die Lebensqualität der betroffenen Menschen sollen positiv beeinflusst werden. Das Vorsorgeprogramm der allgemeinen Unfallversicherungsanstalt (AUVA) für ehemals beruflich asbest-exponierte Beschäftigte kombiniert schon seit 2004 ein Vorsorge-Angebot zur Früherkennung von Erkrankungen mit psychosozialer Betreuung der Angehörigen. Alle Vorsorgemaßnahmen sollen jetzt wenigstens auch auf den Angehörigenkreis der Mitarbeiter:innen in den burgenländischen Bergwerken ausgedehnt werden.
- 1 Salutogenese: Modell, das die Entstehung von Gesundheit erklärt.
- 2 Noxe: Stoff, der eine schädigende Wirkung auf den Organismus hat.
