Später in Pension verkleinert nicht die Pensionsschere
Ab diesem Datum haben Männer im Durchschnitt eine Pension erreicht, auf die Frauen erst bis zum Jahresende warten müssen. In den vorangegangenen Jahren fiel der Equal Pension Day 2023 auf den 4. August, und in den darauf folgenden Jahren 2024 und 2025 auf den 6. und 7. August. Diese Entwicklung verdeutlicht, dass die Schließung der Pensionslücke in einem derart langsamen Tempo erfolgt, dass eine vollständige Gleichstellung frühestens um das Jahr 2300 zu erwarten ist.
Josef Stingl, Mitglied des ÖGB-Bundespensionist:innenvorstand des GLB
Laut Daten der Pensionsversicherungsanstalt erhalten Frauen durchschnittlich 42,5 Prozent weniger Pension als Männer. Konkret beträgt die durchschnittliche weibliche Pensionsleistung 1.705,26 Euro, während die männliche bei 2.434,77 Euro liegt. Diese erheblichen Unterschiede sind auf die Berechnung basierend auf dem Erwerbsleben zurückzuführen. Frauen arbeiten häufiger in Teilzeit, da überholte Rollenbilder sie zu mehr unbezahlter Care-Arbeit zwingen. Sie haben auch geringere Aufstiegschancen, und frauendominierte Branchen sind oft schlechter entlohnt.
Politik läuft verkehrt
Die Frage, ob das Schließen der Pensions-Einkommensschere ein Anliegen der Politik ist, lässt sich darin begründen, dass die Regierungspartner ÖVP und NEOS dieser Problematik eher ablehnend gegenüberstehen. Dies wird durch die Versäumnisse bei der Umsetzung der EU-Richtlinie zur Lohntransparenz sowie durch die derzeitige Pensionsdebatte verdeutlicht. Nicht die Gleichstellung der Pensionseinkommen steht im Vordergrund der Diskussionen, sondern die Umstellung von einem umlagefinanzierten, auf ein kapitalbasiertes Pensionssystem sowie die Erhöhung der Lebensarbeitszeit.
Christian Stocker von der ÖVP hat sich während seiner Tournee in Tirol für eine kapitalgedeckte Rente nach dem Vorbild der nordischen Länder ausgesprochen. Zudem schlug er vor, die Arbeitszeit auf 44 Jahre festzulegen, wobei Karrieren, die später beginnen, auch entsprechend später enden sollten. Ingrid Korosec, ebenfalls von der ÖVP und Präsidentin des Seniorenrats, unterstützt eine Diskussion über die Anhebung des gesetzlichen Pensionsantrittsalters, zumindest für Personen, die später ins Berufsleben einsteigen.
Korosec und Mattle für 45 Pflicht-Beitragsjahre
Korosec argumentiert, dass angesichts der steigenden Lebenserwartung Anpassungen im Pensionsystem erforderlich sind. Sie erklärte: „Es ist schwer nachvollziehbar, dass ein Lehrling, der mit 15 Jahren zu arbeiten beginnt, genauso lange arbeiten soll wie ein Akademiker, der erst Ende 20 ins Berufsleben eintritt.“ Damit hebt die Vorsitzende des Seniorenbundes nicht nur generationenübergreifende Unterschiede hervor, sondern auch solche zwischen verschiedenen Bildungsniveaus.
Obwohl höhere Bildungs- und Ausbildungsabschlüsse für bessere Erfolgs- und Einkommenschancen für wichtig erklärt werden, scheint es so, dass jetzt die ÖVP vor allem auf die Studierenden einen Angriff startet. Sie investieren in die Bildung und werden dafür mit späteren Pensionsantritt bestraft. Das ist einfach nur bildungsfeindlich.
Auch der Tiroler LH Anton Mattle zieht nach. Der oberste Tirol-Schwarze agiert besonders bauernschlau, vor 65 soll trotzdem niemand in die Pension gehen können. Weniger „Schläue“ beweist er beim Schließen der Einkommensschere. Kein Wort dazu, obwohl im heiligen Land der der Equal Pension Day bereits am 25. Juli war.
Richtiger wäre eine Diskussion darüber, dass Bildungs- und Ausbildungszeiten als Arbeitszeit anzuerkennen und somit in die Versicherungszeiten einfließen. Zugleich muss die Angleichung der Einkommen von Frauen und Männern zu einer primären politischen Aufgabe erhoben werden.
