Gender Pay Gap und Gender Overall Earnings Gap

Der Gender Pay Gap wird meistens herangezogen, um den Lohnunterschied zwischen Männern und Frauen sichtbar zu machen. Dieser liegt in Österreich aktuell bei 17,6 % (2024). Der Gender Pay Gap bezieht sich aber ausschließlich auf den Lohnunterschied je geleisteter bezahlter Arbeitsstunde. Gänzlich unbezahlte Stunden für Kindererziehung oder die Pflege von Angehörigen werden – gerade weil sie unbezahlt stattfinden – gar nicht erfasst.

Der Gender Overall Earnings Gap

Ein anderer und viel seltener besprochener statistischer Wert zur Erfassung der Geschlechterungleichheit ist der sogenannte Gender Overall Earnings Gap (Gesamteinkommenslücke). Anders als der Gender Pay Gap betrachtet er den tatsächlichen Einkommensunterschied zwischen Frauen und Männern unabhängig von der Anzahl der geleisteten bezahlten Arbeitsstunden. Er zeigt also, wie viel man tatsächlich verdient und wie viel Geld einem zur Verfügung steht. Dieser Wert liegt aktuell bei rund 40%.

Der Grund für diesen Unterschied ist, dass Frauen sich wesentlich häufiger als Männer um Angehörige – seien es Kinder oder pflegebedürftige ältere Menschen – kümmern. Frauen arbeiten also nicht weniger, sondern häufig zwei Jobs, von denen einer völlig unbezahlt ist und damit in der Statistik zum Gender Pay Gap nicht berücksichtigt wird. Das passiert häufig ohne die Unterstützung ihrer Partner, wie man in den unterschiedlichen Teilzeitquoten von Frauen und Männern sehen kann: Während 41,9 Prozent der Frauen in Teilzeit arbeiten, sind es nur 14 Prozent der Männer. Die Fokussierung auf den Gender Pay Gap verschleiert damit nicht nur den tatsächlichen Einkommensunterschied zwischen den Geschlechtern, sondern auch die Frage, wer wie viel unbezahlte Haus-, Erziehungs- und Pflegearbeit leistet.

Teilzeit als „Erklärung“ des Gender Pay Gaps

Auf der Website des Bundesministeriums für Frauen, Wissenschaft und Forschung heißt es zum Gender Pay Gap:

„Die Gründe für beziehungsweise Einflussfaktoren auf den hohen Gender Pay Gap sind nur teilweise erklärbar: […], dass nur ⅓ des gesamten Gender Pay Gap (im Jahr 2022 6,4 Prozentpunkte von insgesamt 18,7 Prozent) aufgrund von Merkmalen wie Branche, Beruf, Alter, Dauer der Unternehmenszugehörigkeit und Arbeitszeitausmaß erklärt werden können.“

„Arbeitszeitausmaß“ bedeutet hier aber nicht die Anzahl geleisteter Stunden (der Gender Pay Gap bezieht sich immer auf die einzelne Stunde), sondern drückt aus, dass bestimmte besser bezahlte Positionen, und Jobs in machen gut bezahlten Branchen häufig gar nicht in Teilzeit vergeben werden. Wer in Teilzeit arbeitet, bekommt gewisse Berufe gar nicht erst und verdient deshalb auch pro einzelner Stunde weniger. Im Umkehrschluss bedeutet das aber natürlich auch, dass Männer, die die Erziehung der Kinder weitgehend ihren Partnerinnen überlassen, dafür doppelt belohnt werden. Denn dieses Verhalten verbessert nicht nur ihr Gesamteinkommen, sondern – statistisch gesehen – auch ihren durchschnittlichen Stundenlohn.

Warum der Overall Earnings Gap sichtbar gemacht werden muss

Der Gender Overall Earning Gap schlägt sich schließlich auch im Gender Pension Gap nieder. Der Pensionsunterschied zwischen Männern und Frauen liegt in Österreich aktuell bei 39,4 (2005) Prozent und damit logischerweise weit über dem Gender Pay Gap. Für die spätere Pension ist es nämlich gänzlich unerheblich, wie viele Arbeitsstunden jemand leistet; entscheidend ist die Gesamthöhe der versicherten Einkommen und der darauf basierenden Einzahlungen.

Wer also nur über den Gender Pay Gap spricht, ohne den Gender Overall Earnings Gap miteinzubeziehen, ist schon ÖVP und SPÖ auf den Leim gegangen, die für Tage mit acht Stunden Lohnarbeit, acht Stunden unbezahlter Reproduktionsarbeit und acht Stunden Schlaf eintreten. Der GLB steht daher konsequent für eine Arbeitszeitverkürzung auf 30 Stunden pro Woche, als einen notwendigen ersten Schritt um die ökonomische Ungleichheit von Frauen und Männern zu beseitigen.

Verena (Mutter eines zweijährigen Kindes)

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