ÖGB-Pensionist:innen: Richtige Forderungen, mangelnde Mobilisierung

Im Ruhestand weiterhin Gewerkschaftsmitglied zu bleiben, scheint auf den ersten Blick möglicherweise nicht notwendig. Schließlich entfallen mit dem Ende des Berufslebens viele der klassischen gewerkschaftlichen Anliegen rund um Arbeitsbedingungen, faire Entlohnung und den Schutz vor Diskriminierung am Arbeitsplatz. Doch bei genauerem Hinsehen wird deutlich: Gewerkschaften gehen weit über den Arbeitsplatz hinaus und bieten auch im Ruhestand zahlreiche Vorteile und Möglichkeiten, sich für gemeinsame Interessen einzusetzen.

Ein Beitrag von Josef Stingl für die ZVPÖ-Zeitung „aktiv leben“

Die Gewerkschaft steht nicht nur für den Einsatz am Arbeitsplatz, sondern auch für Solidarität und das Engagement für wirtschaftliche, soziale und kulturelle Belange – Werte, die in keiner Lebensphase an Bedeutung verlieren. Ein zentraler Punkt ist der politische Einfluss der Gewerkschaft, denn Gesetzgebungsverfahren betreffen nicht nur die aktive arbeitende Bevölkerung, sondern auch Pensionist:innen.

Der ÖGB-Bundespensionist:innenvorstand setzt sich aus Vertreter:innen aller Teilgewerkschaften und Fraktionen zusammen. Seine Aufgabe: Die sozialen, wirtschaftlichen und kulturellen Interessen der älteren Generation zu vertreten. Hauptziel dieses Gremiums ist der aktive Beitrag zur Gestaltung gesetzlicher Rahmenbedingungen. Diese betreffen sowohl Arbeitnehmer:innen als auch Pensionist:innen und sichern die Mitwirkung an Themen der Senior:innenpolitik zur Aufrechterhaltung der Solidarität zwischen den Generationen ebenso wie sie sich für einen modernen Sozialstaat einsetzen, der u.a. eine hochwertige medizinische Betreuung und Pflege für Pensionierte zugänglich macht.

Für grundlegende Werte

In der Präambel ihrer Geschäftsordnung bekennen sich die ÖGB Pensionist:innen darüber hinaus zu grundlegenden Werten wie Frieden, sozialer Gerechtigkeit und Chancen gleichheit. Zugleich wird ein starker Fokus auf den Dialog zwischen den Generationen gelegt, um ein gesellschaftliches Miteinander ohne Platz für Faschismus und Rassismus zu fördern. Seit 2022 führt Monika Kemperle den Bundespensionist:innenvorstand und übernimmt gleichzeitig die Funktion der Vizepräsidentin des Österreichischen Seniorenrates. Wesentliche Anliegen dieses Gremiums sind unter anderem die Verbesserung der Pflegesituation, die Kritik an geplanten Pensionsanpassungen angesichts der Inflation sowie die Vorbereitung auf kommende Budgetverhandlungen.

Obwohl diese Forderungen zweifellos wichtig und richtig sind, wird häufig die Mobilisierung der Mitglieder für diese Themen und der nötige Druck gegenüber der herrschenden Politik vernachlässigt.

Trotz dieser kritischen Betrachtung hinsichtlich fehlender Umsetzungsstrategien spricht vieles dafür, auch im Ruhestand Mitglied der Gewerkschaft zu bleiben – sei es wegen des individuellen Serviceangebots oder aufgrund des klaren Bekenntnisses zu Solidarität und gesellschaftlichen Werten.

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