Politik, Medien, Lobbys: Der Einfluss von Österreichs Superreichen

Österreichs Superreiche nutzen ihre ökonomische Macht über verschiedene Kanäle für politischen und gesellschaftlichen Einfluss. In einer Studie hat das Institut für die Gesamtanalyse der Wirtschaft untersucht, welche Einflussmöglichkeiten für Superreiche bestehen und wie sie konkret genutzt werden. Dazu wurden die 60 reichsten österreichischen Haushalte und ihre Unternehmensnetzwerke unter die Lupe genommen.

Teresa Griesebner, Projektmitarbeiterin am Institut für die Gesamtanalyse der Wirtschaft

Einflusskanal Spenden: Offizielle Parteispenden spielen kaum mehr eine Rolle

Während sich Frank Stronach noch seine Partei „Team Stronach“ zum Großteil über eigene Parteispenden finanziert hat, spielen Parteispenden für Österreichs Superreiche im Jahr 2026 fast keine Rolle mehr. Das hat vor allem zwei Gründe: Einerseits sind Parteispenden heute stärker reguliert. Andererseits gibt es seit 2023 eine neue Spendenobergrenze. Es ist verboten, mehr als 7.500 Euro von eine:r einzelnen Spender:in zu bekommen. Das verhindert die direkte Finanzierung von Parteien über einzelne vermögende Personen und Einflussnahme über diesen Weg.

Gleichzeitig haben wir gesehen: Wenn es die Möglichkeit gab, wurden große Summen von Superreichen an ideologisch nahestehende Parteien gespendet. 90 Prozent des Spendenaufkommens zwischen 2012 und 2024 stammte von den drei reichen Männern Frank Stronach (23 Mio. Euro), Hans Peter Haselsteiner (1,96 Mio. Euro) und Stefan Pierer (436.000 Euro): Summen, die in dieser Form heute nicht mehr möglich wären, weil ihnen politisch ein Riegel vorgeschoben wurde.

Einflusskanal Medien: Alle großen Medien finden sich im Netzwerk der Superreichen

Medien sind ein mächtiges Werkezeug zur öffentlichen Meinungsbildung, weshalb Eigentums- und Machtverhältnisse in der Medienlandschaft von großer Bedeutung sind. Österreich weist im internationalen Vergleich eine hohe Medienkonzentration auf: Alle großen Tageszeitungen, Fernseh- und Radiosender sind direkt oder indirekt mit den Netzwerken der reichsten Haushalte des Landes verbunden. Diese Verflechtungen reichen von Firmenbeteiligungen bis hin zu personellen Überschneidungen mit dem Netzwerk. Während einzelne Medien wie ServusTV eng mit dem Netzwerk von Mark Mateschitz verbunden sind, bestehen auch Verbindungen anderer vermögender Familien zu Medienunternehmen auf nationaler und regionaler Ebene.

Eine besondere Stellung nimmt die Familie Dichand ein: Ihr Netzwerk ist mit nahezu allen klassischen Medien Österreichs verbunden und verfügt über starke Beziehungen zu bedeutenden Tageszeitungen wie der Kronen Zeitung, dem Kurier sowie weiteren regionalen Medien, teils durch Eigentumsanteile, teils durch personelle und wirtschaftliche Verflechtungen.

Einflusskanal Think Tanks und Lobby-Organisationen

Think Tanks als Schnittstelle zwischen Wissenschaft, Politik und Medien sind eine gute Möglichkeit, ideologische Positionen etwa rund um Verteilungsfragen einzunehmen. Besonders auffallend ist die personelle Überschneidung von Personen aus dem Netzwerk der Superreichen mit dem Think Tank „Agenda Austria“. Aus dem Förderkreis der Agenda Austria, findet sich fast die Hälfte im Superreichen-Netzwerk wieder. Mit Privatstiftungsverband, der „Tiroler Adlerrunde“ und der Industriellenvereinigung sind auch andere Interessensverbände prominent im Netzwerk der Superreichen vertreten.

Einflusskanal Politik: Industrie eng mit Politik verbunden

172 politisch exponierte Personen sind Teil des Netzwerks der Superreichen. Das sind 172 Personen, die durch ihre Positionen die Macht haben, politische, rechtliche und wirtschaftliche Entscheidungen im Land mitzuprägen – was eine beträchtliche Menge ist. 28 davon üben direkt ein politisches Amt auf Bundes- oder Landesebene aus. Manche scheinen wirklich nur eine Kontrollfunktion (zum Beispiel in einem Aufsichtsrat) zu übernehmen – andere wiederum scheinen über eigene Beteiligungen oder Management-Funktionen im Netzwerk den Interessen der Superreichen nahe zu sein.

Die Einflussmöglichkeiten von Superreichen auf die Politik sind immens

Die Einflussmöglichkeiten der Superreichen umfassen klassische Medien in Österreich, die die öffentliche Meinung prägen und über den Diskurs politische Entscheidungen beeinflussen. Relevante Think Tanks und Lobby-Organisationen sind fixer Bestandteil und Sprachrohr nach außen. Und neben diesen indirekten Möglichkeiten, Einfluss zu nehmen, gibt es über den Gang in die Politik oder Funktionen in Unternehmen und Institutionen noch eine direkte Verbindung der Superreichennetzwerke in die Politik.

Kein:e normale:r Bürger:in in Österreich hat in dieser Weise die Möglichkeit, Einfluss auf politische Entscheidungen zu nehmen – diese gleichen Möglichkeiten für Mitbestimmung sind aber die Basis einer Demokratie. Daher ist der Kampf gegen Vermögens- und Machtkonzentration eine demokratische Notwendigkeit.

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